Stimmt doch gar nicht, dass sich Solaranlagen nur nach Süden lohnen.“ Das war der Satz, den mir mein Nachbar letzte Woche beim Gartenzaun-Gespräch sagte. Er hatte seine Photovoltaik-Anlage installieren lassen – und sein Dach zeigt nach Norden. Ich war skeptisch. Bis er mir seine Zahlen gezeigt hat.
Und ich muss sagen: Ich war platt. Seine Anlage auf der „schlechten“ Nordseite produziert 75 Prozent dessen, was eine vergleichbare Südanlage bringt. Und weil er keine Einspeisevergütung bekommt, sondern den Strom selbst verbraucht, rechnet sich das für ihn trotzdem.
Wenn auch Sie ein Norddach haben und bisher dachten: „Da lohnt sich Solar nicht“ – lesen Sie weiter. Denn was mein Nachbar mir erzählt hat, hat meine Meinung komplett geändert.
Der große Mythos: Solar lohnt nur nach Süden
In Deutschland ist das der Glaubenssatz Nummer 1 bei Photovoltaik: Das Dach muss nach Süden zeigen, sonst kann man es gleich lassen. Früher stimmte das vielleicht. Als die Einspeisevergütung hoch war und man jeden erzeugten Kilowattstunde zu festen Preisen verkaufen konnte.
Heute ist die Rechnung eine andere. Eine moderne Solaranlage kostet nur noch einen Bruchteil von vor zehn Jahren. Die Module sind effizienter. Und vor allem: Es geht nicht mehr darum, möglichst viel Strom ins Netz einzuspeisen, sondern möglichst viel selbst zu verbrauchen.
Und genau da punktet die Nordseite.
Was bringt eine Nord-Solaranlage wirklich?
Mein Nachbar hat 8 Module auf der Nordseite installiert, an einem Ost-West-Ausrichtung. Seine Daten:
- Leistung: 3,2 kWp auf 8 Modulen
- Jahresproduktion: etwa 2.400 kWh (zum Vergleich: Südanlage gleicher Größe: ca. 3.200 kWh)
- Eigenverbrauchsquote: 65 Prozent (weil morgens und abends produziert wird, wenn er zuhause ist)
- Amortisation: nach etwa 8 Jahren
Das Geheimnis: Eine Nordanlage produziert weniger Spitzenstrom zur Mittagszeit, dafür gleichmäßiger über den Tag. Und weil die Sonne morgens im Osten und abends im Westen steht, deckt sich die Produktion besser mit dem typischen Haushaltsverbrauch. Morgens Kaffee kochen, abends Fernsehen – genau dann liefert die Anlage.
Die Rechnung: Was spart man wirklich?
Rechnen wir es durch. Bei 2.400 kWh Jahresproduktion und einem Strompreis von 30 Cent pro kWh spart mein Nachbar etwa 720 Euro pro Jahr. Abzüglich der Kosten für die Anlage (ca. 6.000 Euro inklusive Montage) steht er nach etwa 8 Jahren im Plus.
Danach produziert die Anlage 20 Jahre lang praktisch kostenlos Strom. Bei heutigen Strompreisen sind das etwa 14.000 Euro Ersparnis auf 20 Jahre. Nicht schlecht für ein Dach, das angeblich „untauglich“ ist.
Und wer einen Speicher dazukauft (ca. 1.000 Euro pro kWh), kann die Eigenverbrauchsquote auf 80 Prozent steigern. Dann amortisiert sich die Anlage zwar etwas langsamer, aber die Unabhängigkeit vom Stromanbieter steigt enorm.
Was Sie beachten sollten
Bevor Sie lossprinten und Module bestellen: Ein paar Dinge sollten Sie wissen:
- Standort prüfen: Auch auf der Nordseite darf kein großer Schattenwurf sein (Bäume, Schornsteine, Nachbarhäuser).
- Dachneigung: Optimal für Nord sind 30-40 Grad. Flachere Dächer bringen weniger, steilere mehr.
- Wechselrichter: Moderne Wechselrichter mit MPPT-Tracker optimieren den Ertrag auch bei diffusem Licht.
- Balkonkraftwerk-Alternative: Für Mieter oder kleine Dächer reicht auch ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt – das steckt man einfach in die Steckdose.
- Förderung: KfW-Kredit 270, BAFA-Zuschuss für Speicher, und viele Bundesländer haben eigene Programme.
Mein Fazit: Norddach ist kein Hindernis
Wenn ich mir die Zahlen meines Nachbarn anschaue, bin ich überzeugt: Ein Norddach ist kein Grund, auf Solar zu verzichten. Die Technik ist heute so gut und günstig, dass sich die Investition auch ohne die optimale Südausrichtung lohnt.
Klar, eine Südanlage produziert mehr. Aber die Frage ist nicht: „Wie viel produziere ich maximal?“ Sondern: „Wie viel Eigenverbrauch kriege ich hin?“ Und da schneiden Ost-West-Anlagen auf Norddächern oft besser ab als reine Südanlagen.
Ich überlege jetzt ernsthaft, ob ich nicht auch auf mein Norddach gehe. Mein Nachbar hat es vorgemacht. Und wenn es bei ihm funktioniert, warum nicht bei mir?
Haben Sie Erfahrung mit Solar auf dem Norddach? Oder haben Sie auch lange gezögert, weil alle gesagt haben „lohnt sich nicht“? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare – ich bin gespannt, ob es noch mehr Norddach-Solar-Fans gibt!



